Kapitel: Mentaltraining beim Segeln

Und das Gegenteil? Manche halten sich für besser, als sie sind.

Dieselbe Ursache, andere Richtung. Wem der Maßstab fehlt, die eigenen Fehler zu sehen, überschätzt sich. Beide Muster, die heimliche Angst wie die blinde Überschätzung, verschwinden nicht durch mehr Nautik, sondern durch einen begleiteten Übergang in die Verantwortung.

Ist es nicht peinlich, sich Hilfe zu holen?

Wer professionelle Wetterberatung für seinen Törn nutzt, gilt nicht als schwach, sondern als professionell. Man lernt dabei und hat eine fachliche Instanz im Rücken. Mit der mentalen Begleitung ist es genauso. Du nutzt die Werkzeuge der Profis, damit deine Gäste einen sicheren und deshalb genussvollen Törn bekommen.

Woran erkenne ich, dass ich mich vor dem Ablegen drücke?

An der Begründung. Sie ist immer sachlich, immer plausibel und immer neu. Die Pumpe, die Wetterlage, der Tank, die Dichtung, die Crew, die erst nächste Woche kann. Wenn du seit drei Wochen fast fertig bist, arbeitest du nicht am Boot.

Das Hafenkino macht mich fertig.

Das Anlegen unter Beobachtung ist der meistgefürchtete Moment im Fahrtensegeln. Trainierbar ist er trotzdem, weil du nicht das Publikum änderst, sondern deinen Ablauf. Mein Anlegen ist kein Kino, sondern Routine. Und wenn du mit uns durch bist: Beim Hafenkino bin ich der Popcornverkäufer.

Was hat Ruhe mit Sicherheit zu tun?

Dieselbe Ruhe, die dir bei schönem Wetter Genuss schenkt, rettet bei schwerem Wetter dein Leben. Jede Sicherheitsmaßnahme wirkt nur mit klarem Kopf. Rettungsweste, Lifebelt und Seenotsignal nützen nichts, wenn der Mensch dazwischen erstarrt.

Macht Mentaltraining uns leichtsinnig?

Nein. Angstfrei, nicht respektlos. Angst ist ein schlechter Ratgeber, Vorsicht ist ein guter. Wir nehmen dir die Lähmung, nicht das Urteilsvermögen.

Ich habe Angst vor dem Ablegen. Bin ich damit allein?

Ganz und gar nicht. Leinenlos ist die höchste psychische Hürde im ganzen Sport. Manche hängen wochenlang in Marinas und erfinden dabei unbewusst immer neue Werkstattprojekte, nur um nicht ablegen zu müssen. Kein Boot wurde je fertig. Das Ablegen beginnt im Kopf.

Warum ausgerechnet Segeln?

Segeln ist der vielleicht mentalste Sport überhaupt, nur merkt es kaum jemand, weil man das Ringen im Kopf von außen nicht sieht. Kein anderer Sport verlangt gleichzeitig Ausdauer, Risikobewertung, Geduld und Entscheidung unter echter Gefahr. Deshalb ist der Kopf hier nicht eine Stellschraube unter vielen, sondern die entscheidende.